Flötentöne

Flötentöne

„Du Liebes du, Du Liebes du,“

flötet der Fremde übern Sonnenrand

ganz galant

an jedem Tag wie allbekannt.

Das Mädchen ruft,

“ lässt du mich nie in Ruh?

Schmelz dahin wie Butter!

Deine Worte sind das Futter

meiner zerschund’ne Seele,

der es doch  an allem fehle..

So keuch ich stündlich in ’nen Spiegel,

der mich anstarrt, wie dein Siegel!“

„Du Liebes ,du Liebes du!“

Flüsterst der Fremde am Morgen

Die Maid beginnt ihn ohne Sorgen,

alle Vorsätze sind  verborgen,

ihn sofort zu verlassen,

zu rasen durch die Gassen,

sich zu befreien von der Sucht,

die schmeckt wie süße Frucht.

„Ja meine Sucht bist du, ja du..!!

Und ich? Dein liebes Du“

flüstert die Maid

und sinkt dahin im Kleid.

Kinderterror

„Ich habe heute schon den Müll runtergetragen Mami“,

sagt Andrea.  Dabei hat sie ganz rote Backen, schnaubt wie ein Pferd und stellt ihren Kamm.

„Die Jenny sollte auch mal die Spülmaschine ausräumen. Ich mach das nicht mehr“

und dann heult sie.

„Die Jenny macht gerade Staatsexamen“

antwortet die Mutter leise.

„Du weißt doch, sie ist nur zu Besuch da und braucht absolute Ruhe zum Lernen“

„Das seh ich nicht ein, dass ich immer den Deppen mache..“ fällt ihr die Andrea ins Wort.

Im Hintergrund kommt Philipp, der Zwillingsbruder gerannt und schreit :

„die Katzenpötte sind nicht gemacht, ich bin auf der Katzenscheiße ausgerutscht! Die Jenny hat die Katzenpötte nicht gemacht!“

„Das hättest ja du jetzt machen können!“

meint die Mutter etwas vorwurfsvoll.

„Was? Ich? Das soll DEIN LIEBLING machen. Ich mache hier nichts mehr. Ich bin hier immer der Depp!“

ruft Philipp immer lauter, so dass man meint, die Vorhangstange in der Küche wackelt.

Die Mutter wird nun energisch.

„Gut, wenn das so ist, kürze ich euch das Taschengeld!Ich finde schon, dass man zuhause mithelfen sollte in eurem Alter.“

„Klar, dann Erpressung!“

schreit die Andrea.

„Ich zieh aus, dann musst du mir eine Wohnung zahlen,“

geht aus dem Zimmer und knallt die Türe zu.

Philipp rennt hinterher und brüllt die Mutter an:

„Ich zieh zu Sven in die WG. Dann bist du mit deiner Hochbegabten alleine und kannst die Scheiße selber putzen!“

„Das ist eure Katze!“ meint die Mutter.

„Die nehm ich mit!“ wütend steckt Philipp nochmal den Kopf rein:

„Und dann siehst du mich nie mehr. Und putzen darf dann die Jenny!“

Weg ist er.

Die Mutter läuft die Kellerstufen hinunter und säubert die Katzenpötte. Anschließend räumt sie die Spülmaschine aus.

Jenny steht in der Küche.

„Hast du mir kein Frühstück gemacht, Mami?“

Bevor du gehst

Möcht‘  ich wegfliegen

vor deinem Zorn

der Lippen und Hände

bestreut.

Möcht‘ sie reinigen

im Wind, im Regen

und an der Sonne

auf zerschossenem Gras.

Irr‘ ich

bettelarm

in den Wolken

mit blutendem Mund.

Ich lasse richten am Münster

 

 

„Zum Frisör gehen, ist auch die Seele baumeln lassen. Entspannen Sie sich! Lassen Sie los! Sie sind so verspannt! Wir Frisöre machen eigentlich das Gleiche  wie ihr Psychologen, stimmts? Da ist kein Unterschied!“

Juan Carlo strahlte mich an und hielt mir die Hand.

So sollte ich also entspannen. Hmm.

Nebenbei blätterten wir in Hochglanzmagazinen neumodische Kurzhaarfrisuren von Magermodels durch.

„Ich bin kein Psychologe. Ich bin Arzt.“

„Ist da ein Unterschied?“ Die Gegenfrage. Danach Pause.

Im Nachhinein glaube ich, dass nur ich diese Pause als „peinlich“ gefühlt habe.Bei  Juan Carlo stoppte diese Erkenntnis den Redeschwall.Er  war ein Psychologe und ein großer  Künstler in Ulm. Ein Gott für Frauenköpfe. Wer ich war oder nicht war, war ihm letztendlich ziemlich egal.

Er hörte  irgendwann mit seinem Gequatsche über die „Typbestimmung“ auf. Ich schaute auf die Uhr. Es war schon 13.00. Nein, ich wollte keinen kurzen Bob. Nein, keine Kurzhaarfrisur, keinen neuen Typ.

Was?Lange Haare sind langweilig? Ja, mein Mann erträgt diese langen Zottel noch so.

Der hübsche Italiener  nahm seine Farbmuster, seine jungen Frauen in den Mappen unter den elegant geschwungenen Arm und stelzte enttäuscht an mir vorbei ins Erdgeschoss.Blies sich beim Hinunterlaufen noch trotzig eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Er tat mir sogar ein wenig Leid.

Nein, ich ignorierte seine Meinung über Trends nicht, weil ich etwas gegen ihn oder gegen Minderheiten hatte.

„Ah ja?“ fragte er dann irgendwann  so, als wäre ich ein böses Krokodil, das ihn jeden Moment im Reptilienkäfig fressen würde.

Wir wurden zwischen Eins und Vier dann doch noch so etwas ähnliches wie Freunde. Juan Carlo und ich, das Krokodil, an diesem Mittwoch in der Karlsstraße. Er kürzte mir die Spitzen, brachte „Schwung“ in mein stumpfes Haar und stöhnte, während er es föhnte immer lauter, umso mehr es dem Ende zuging. Er hätte mir so gerne  eine Bobfrisur verpasst, oder irgendetwas Neumodisches, was zu dieser Zeit alle Ulmer  Damen trugen, die etwas auf sich hielten . Ich gehörte auf jeden Fall für ihn nicht dazu.

Wir sahen uns dafür auch nie mehr wieder, denn dieser Kitsch, der um meine Fingernägel, meine Augenbrauen , meine Haarlänge und meinen Haaransatz gemacht wurde und mein Ungehorsam in Folge machten mir solche Schuldgefühle, so dass ich mir anschließend wahrscheinlich 5 Jahre lang die Haare selbst schnitt.

Ich steckte Juan Carlo 20 Euro Trinkgeld zu, eine Art Entschädigungsgeld, und rannte von der Kasse des Stylingladens  davon- wie um mein Leben- in Richtung Münster.

 

 

Hinter dem Münster  hatte ich eine herrliche Boutique auserkoren, die  Boutique vonFrau Höcker. Mittlerweile war es nach 16.00 Ich benötigte ein Kleid, oder einen Rock für den Abiturball meiner Tochter. Vielleicht ein Oberteil, oder nichts. Im schlimmsten Fall würde ich mit den Klamotten der Silvesterfeier von 2000 zum Abiturball gehen. Da passte ich bestimmt  noch gut rein. Einfach nur Schauen gehen.

Dingdong. Zwei hochaufgeschossene, südländisch wirkende Models mit ca 15 cm Highheels begrüßten und musterten mich von oben bis unten. Oh..ich war verschwitzt…… ..unangenehm..oder..aber..hmmm.. die Frisur, sah doch gut aus- ich schaute in den Spiegel. Ja! Juan Carlo war ein Meister seines Faches!

Die Damen trugen Bob. Sie waren beide so unglaublich dünn, so dass ich mir vorkam wie das Pferd in der Arena.

 

 

Da: Frau Höcker stolzierte um die Ecke.Sie juchzte:

“ Nein!Die Frau Dr.Sommer,ich glaub‘ es nicht! Das ist aber nett, dass Sie zu mir kommen. Was kann ich denn für Sie tun? Wie geht es Ihnen denn?“

„Ja gut,“ sagte ich leicht verlegen und fühlte mich wie ein gefülltes russisches  Landei.Der Laden war stylisch, schwarzweiß,mit  wenig Kleidern, dafür umso mehr Raum und die Models liefen auf und ab und ab und auf. Außer mir gab es keine Kundschaft. Am liebsten wär‘  ich sofort wieder gegangen. Die Höcker war auch klapperdürr. Ich fühlte mich nun wie Erika, die Kuh vom Bauern Zeller , dem Nachbarn aus meiner Kindheit.

„Haben Sie noch die Sachen von Tandem wie früher?“ meine vorsichtige Frage.

„Oh nein..“ sie verzog entsetzt ihr Gesicht, das mich ein wenig an Mamas braune Ledertasche erinnerte „Wir sind jetzt ganz oben, weiter oben geht nicht. Wir spielen eine ganz andere, hohe Liga!“

Sie breitete die Arme aus, lachte und die Models grinsten blöd. Ich bekam einen roten Kopf, wurde wütend. Meinte sie, dass ich mir das nicht leisten könnte? Sah ich so bedürftig aus, dass man mich in die Kleiderkammer schicken müsste? Am Liebsten wäre ich gegangen-Oh Marie, wie kommst du aus diesem Laden wieder raus, fragte ich mich.

„Meine Tochter hat Abiturball….“

„Nein…tatsächlich…!Kaum zu glauben…Wo lassen Sie richten, Frau Dr. Sommer?“ Ganz aufgeregt die Höcker..mit zwei Röcken auf dem Arm „Sie tragen doch Größe 36?“

So eine dumme Kuh, das muß sie doch sehen als Fachfrau, dass ich eher 42 bin als 36. Sie wollte mich nur provozieren, dieser Hungerhaken dieser damische. Ich kochte vor Wut. Die Models tänzelten um die Stangen herum und grinsten .

„Oh….mit 36 wird das knapp werden bei mir- das passt mir nicht- ich bin doch auch ziemlich groß….!“

Sie brachte Größe 40. „Also das sind die größten Röcke die ich da habe. Armani , Saint Laurent, Valentino und MiuMiu…“

Ich schluckte.Nein, das war nicht meine Geldbeutelgröße. Vielleicht, wenn ich so hungerte, wie diese Magermilchmodels, ja dann, wenn ja, dann…Mann , kam ich mir fett vor.

„Nun verraten Sie uns doch, wo Sie richten lassen…kommen Sie, Frau Dr. Sommer, Sie als Ärztin haben mir doch bestimmt den besten Tipp!“

Hmmmm?Was meinte diese Magermilchlederhose da draußen.Ich öffnete den Reißverschluss des Rockes von Saint Laurent.Ich setzte den rechten Fuß hinein.

„Ich meine Ihr Gesicht.“

Ach so, sie meinte meinen hässlichen Pickel, neben der Nasolabialfalte, neben dem Mundwinkel.

„Da gibt es eine Salbe, die kennen viele Ärzte nicht, die ist schon alt, aber ich verwende die gerne.“

„Ehrlich? Verraten Sie die mir?“ Ich hörte im Hintergrund die Südländerinnen kichern. Was war an einer Pickelsalbe so Besonderes? Und dann setzte ich den linken Fuß in den Saint Laurent- Rock Größe 40.

AUS.AUS.

Am Knie war es zuende.

Hohlkreuz. Bauch.Cellulite.Pickel. Wohlstandsoberschenkel. Mein Gott, wie sah ich aus! Diese grässliche Lampe in der Kabine.

„Passt alles?“

„Ähhm…steht mir nicht…“

Ich warf den Saint Laurent Rock in die Ecke und machte mich an MiuMiu. Die  selbe Prozedur. Linkes Bein, rechtes Bein.

Ich war fett wie eine Tonne. Abnehmen , ja abnehmen musste ich . Warum sagte mir niemand , wie fett ich war. Das war Größe 40 und ich passte gerade mit einem Bein hinein?

Draußen war zum ersten Mal Betrieb. Endlich. Aufatmen.Dingdong.

 

 

Eine Kundin-sie hieß Frau Kinkel- kam und probierte ein Kleid Größe 34 an. Sie jammerte in der Kabine nebenan immerfort, dass sie zu dick aussehe.“Man will ja seinem Mann noch was bieten, nicht?“

Die Höcker sagte ihr dann ständig, wie schlank sie sei. Es nutzte nichts, Frau Kinkel wollte es sich nochmal überlegen. Das Kleid kostete schlappe 1500 Euro.

Dann fragte mich die Höcker erneut, ob etwas passe, wie es aussehe, ob ich mal rauskommen könne.Keuch.Hoffentlich kommt sie nicht rein und sieht den Mops. Angstschweiß.

Ich sah am Bauch Ritter Sport Schokolade und am Hintern Hanuta. Nie mehr wollte ich das letzte Gift auf Erden essen, das „Zucker“ hieß.

„Frau Dr.Sommer, sie veralbern mich. Das ist nicht nur eine Salbe. Wie heißt denn Ihr Chirurg?Sagen Sie mir den Namen, oder nur die Telefonnummer? Sie machen ein kleines Späßle gell?“

Die Mädels lachten wie kleine Zicklein und es hallte in dem fast leeren Ausstellungsraum.

MiuMiu ging bis an den Oberschenkel- und vom Oberschenkel bis zum Knie. Wie sich das Herr MiuMiu ausgedacht hatte, war mir damals nicht klar. Auch wenn ich das Röckle  über den Hintern gebracht hätte, es wäre von jenem höchstens abgestanden.

Magen zunähen, dachte ich.Nie mehr etwas essen.

Welcher Idiot hat die Schwarzwälder Kirschtorte erfunden? Herr Schwarzwälder?

„Oh Frau Höcker, haben Sie schon gehört, die Frau Winter, die Frau vom Dr. Winter ist von Ihrem Mann betrogen worden. Er hat eine viel Jüngere. Ich sag Ihnen, die hat sich gehen lassen. Die hat doch auch so zugelegt.“ tuschelte eine fremde Stimme vor meiner Kabine.

Die Höcker kicherte.

Dann einigte man sich darauf, wie schlimm es für Frau Winter nun sei mit den Kindern und die Kundin ging.

 

BussiBussi und DingDong.

Weg war sie.

„Telefonnummer!“

Hmm?Was wollte sie?Ich schwitzte. Von wem denn? Von der Apotheke oder was?

Da: sie zog den schwarzweißen Vorhang zur Seite, ich stand in meiner Calida-Unterhose da- hielt die Hände vors Geschlecht.

„Wo lassen Sie richten?“ Frau Höcker lachte ungeduldig und drückte mir noch unwirscher 2 T-shirts in die Hand „Probieren Sie die- da passt Ihnen bestimmt eines“.

 

„Ja,ja“ sangen die Mädchen im Chor.

„Ich lasse nichts richten“

„Ihre Haut, ihre Nase, ihre Wangen….“

Ich zog den Kabinenvorhang zu. Das erste T-shirt passte ohne BH, wenn ich nicht einatmete.Jetzt fühlte ich mich endgültig wie eine Elefantenhirschkuh.

Jil Sander, schwarz, eingefasster Ausschnitt mit Leder- 175 Euro. Ich nahm das Kleidungsstück und ging aus der Kabine.

„Passt!“ Aufatmen. Geldbeutel. Scheckkarte. Sparkasse. Pin. Wie ist meine Pin.3460.3640? Nein.

Wozu kaufe ich eigentlich dieses T-shirt? dachte ich mir.

Zum Silvesterrock 2000 passt das Shirt.Passt einer Hirschkuh noch der Silvesterrock 2000?

Kaum zu glauben. Hanuta.Traubennuss.Milka Schokolade.

Nur raus aus diesem Münsterladen.

3460.

Nur schnell heim zu meinen Katzen. Ob sie mich als Elefantin wiedererkannten?

„Wo lassen Sie richten?“

Hä?

„Ja- bei welchem Schönheitschirurgen- schauen Sie mal meine riesige Falte an um die Nase.“

Sie heulte fast.

„Ja essen Sie halt ein wenig mehr…massiver Gewichtsverlust in kürzester Zeit macht diese Falten…“

Das entschädigte mich. Das erleichterte meinen Elefantenkörper. Ich atmete durch und setzte meine dicken Beine selbstbewusster in die Marmorarena.

„Nein, kommt nicht in Frage- ich habe so lange gebraucht, für diese Maße- das erwarten die schicken Ulmerinnen von mir.Aber ich muß frisch und jung aussehen.  Viele lassen sich Botox spritzen. Bei mir hilft das nicht so gut. Deshalb frage ich Sie als Fachfrau!“ Und sie setzte ihr nettestes Gesicht auf. „Also nochmal- wo lassen Sie richten…?“

Ich fasste mir an meine Nasolabialfalte und entdeckte meinen elendigen Pickel, der mir seit einer Woche zu schaffen machte.

„ich hab‘ da nen Pickel. Auf den schmier‘ ich eine Salbe,das beruhigt ihn.Aber operieren habe ich da nix lassen.“

Ungläubig saß die Höcker auf denClubstühlchen in ihrer Lederhose und starrte auf meinen Pickel. Ich bezahlte das unnütze T-shirt, lächelte wie eine Diva vor den sich nun fast verneigenden Südschönheiten und trabte nach draußen.

Bei meinem Gang am schönen Münster vorbei sah ich im Dämmerlicht die schönen Ulmerinnen bei Sahnetorten sitzen und ich fasste mir an meinen Bauch. Im Rosengässle, da könnte ich auch richten lassen.Ich könnte am Ranzen Fett absaugen lassen, dann wären diese elenden mundaufsperrenden Fettzellen für immer weg. Anschließend kämen die Oberschenkel dran. Danach das restliche Fett, das mich stört.  Und ich merkte, wie es mich aufmunterte…

 

 

Ich könnte dann noch eine Nussecke essen und einen Latte Macciatto trinken….raunte mir ein Zug zu, der durch mein Gedankenkarussell raste…

 

Amour fou

Halten. Geben, eher schenken. Danke.

Du Gute.

Aufatmen. Warmes Herz. Träume. Mädchenbriefe.

 

 

Fragen stellen.

Zuviel Druck aufbauen. Luft nehmen.

Sex im andern Zimmer.

 

Sonntag :Mülleimer schon draußen.

Sie wartet schon.

Friert.

 

Stoppt die Spiele:

Nehmen und Geben.

Müllabfuhr kommt morgen.

 

Auf Wiedersehn.

Ich komme nicht mehr.

Der gute Putin

Putin sei der Beste, sagt der Russe der Ärztin. Er rette die Russen. Er mache Drogenteste in den Schulen, die nichts kosten würden. In Deutschland müsse man so etwas selbst bezahlen.

„Was ist das für ein Land, wo die Krankenkasse die Drogenteste nicht bezahlt?“

Und dann berichtet er noch von den korrupten reichen Russen, die Putin alle aus dem Land gejagt hat. Er erzählt, dass Putin in Afghanistan dafür sorge, dass Deutschland die Flüchtlinge bekäme und die verpanschten Drogen. Es sei gewollt, dass an unsere Schulen gedealt würde, damit alle in einen paralysierten Schlaf versinken und nicht mehr denken könnten.

„Wollen Sie nun den Drogentest oder nicht? Herr Wagner? Es ist schon spät, irgendwann will auch ich nachhause. Der kleine Test kostet 69,00Euro. Er beinhaltet Haschisch, Kokain, Benzos, Amphetamine. Sie müssen nur die Kosten des Labors bezahlen.Blutabnahme kostet sie nichts. Das nehme ich auf meine Kappe.Hmm? Die Rechnung schickt Ihnen dann das Labor.“

„Ganz viele Russen gehen zurück nach Russland!“ schimpft er dann wieder.

“ Dann gehen Sie halt auch zurück. Ich will jetzt heim. Es ist 19.00 . Ich sitze seit heute Morgen hier.“

Dann geht der Russe mit seinem bekifften Sohn. Den DHC-Test hat er nicht gemacht. Ob er Putin anruft?

 

Liebesschmerz

Und dann ist die Welt ziemlich schnell untergegangen. Die beiden geben sich noch einen Liebesgruß und es wird still in der Leitung. Draußen hört das Mädchen Böllerschüsse, als wenn der Krieg in Afghanistan begänne. Bumzackbangbum.

Weg ist er, einfach weg. Die Telefonleitung ist tot. Es gibt ihn nicht mehr. Sie weint.Er hat sie verlassen. Mal nur so . Ich mag ihn doch, denkt sie.

Hastig reißt sie sich die weiße Chiffonbluse über den Kopf, rennt im Zimmer auf und ab. Was will ich denn, denkt sie. Schlafen kann ich nicht, die Nacht ist lang, der geträumte Mann für den Rest meines Lebens ist weg.

Hilfe brauch‘ ich. Es tut so weh. Sie schlägt sich auf den Kopf. Aua. Er mag dich nicht, sagt ihre Stimme im Kopf. Tränen fluten auf die nackte Haut. Ich möcht‘ ihn aber sehn, sagt der Bauch.

Zuletzt kauert sie mit der Katze auf dem Flur und starrt in die Nacht bis zum Morgengrauen.